
Manche Platten sind untrennbar mit den Orten verbunden, an denen sie entstanden sind. „Posten 90“ ist so ein Fall, denn hierbei handelt es sich um die Adresse eines Hauses im Lüneburger Wilschenbruch, in das Andreas Otto kurz vor Beginn der Arbeit an diesem Album zog. Neben Heidschnucken vor der Tür, einer handvoll Jogger und einer Regionalbahn mit gerade mal drei Zügen am Tag, bleibt es dort ungemein ruhig, was der Musik Springintguts überaus zu Gute gekommen ist. Die kompositorischen Strukturen sind ausgefeilter als auf der ersten EP und strotzen nur so vor rhythmischen Schichtungen. Die Melodiebögen klingen reifer, und ab und an spannt ein melancholisch gestimmtes Cello den Bogen zu Ottos musikalischer Sozialisation.
Bei aller Natur-Romantik wäre Springintgut nicht er selbst, wenn auf Tracks wie „Abbr. Dec.“ oder „Ohm Rodeo“ nicht auch ordentlich gefeiert werden würde. Mittlerweile wohnt Andreas Otto am Hansaplatz in Hamburg, wo die Umgebung gegenteiliger nicht sein könnte. Es bleibt abzuwarten, welche Musik an diesem Ort entstehen wird, wo Dönerbuden, hupende Autos und Menschen, die ihren Körper feilbieten, das Bild bestimmen. „Posten 90“ wird Otto und die Menschen, die ihn kennen, mit einem musikalischen Madeleine-Effekt jedoch immer wieder ins Lüneburger Gehölz zurück versetzen - in eine Zeit, die so glücklich war, dass sich beim Genuss dieser Tracks auch auf dem Gesicht des unbekannten Hörers unweigerlich ein Lächeln einstellt.
„Alles quietscht, juchzt, hüpft und springt. So wie Herr Springintgut bei seinen Konzerten. Kaufen, auflegen und vorne sein.“ (de:bug)
„Komplexe Sounds, die gleichzeitig und von Unterschiedlichem sprechen.“ (Intro)
„Kleine Melodien werden mit der akustischen Giesskanne grossgezogen. [...] Ein aktiver Horchposten!“ (das dosierte leben)
„Springintgut lässt die Beeps und Clonx hüpfen, verscheucht das Böse aus Autechre oder Aphex Twin und klingt manchmal wie eine niedliche Augabe der Mouse on Mars, kann aber auch richtig losrocken (Abbr. Dec.)“ (gig)
„Flüchtiges Arrangement trifft hier auf zuckrig-entspannte Popmelodie, sanfte Klangfläche legt sich über mitunter hektische, stets jedoch um das Angenehme bemühte Schnipselbeats. Hier kommt Elektronika, die sich um die kleine Melodie herum aufbaut, sie höchhält und um sie tanzt.“ (Tonspion)
„'Posten 90' ist sowohl Pingipungs als auch Springintguts erstes Album. Und darauf finden sich Cello und Glockenspiel, süß-verquere Schlammpeitziger-Melodien, dieses stolpernde Quäken von Mouse on Mars sowie eben ab und an auch mal eine präsente, wenn auch meist ein bisschen ungerade Bassdrum.“ (Spex)
